Innenminister kritisiert Indizierungspraxis bei Computerspielen

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) heizt die Debatte um gewalttätige Computerspiele erneut an. Sollten sich die Produzenten nicht selbst beschränken können, so Schönbohm, würden gesetzliche Konsequenzen drohen. "Wer das brutale Morden und die Verstümmelung von möglichst vielen Kindern, Frauen, älteren Menschen, Polizisten oder schlicht so genannten "Feinden" zum obersten Ziel eines Computerspiels macht, handelt nicht nur menschenverachtend", so Schönbohm gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Es würden auch die Werte untergraben, die unsere Gesellschaft zusammenhielten.

Die Eltern forderte er auf, sich genauer mit den Spielen ihrer Kinder zu beschäftigen. Menschenverachtende udn gewaltverherrlichende Spiele würden zur geistigen Verwahrlosung und gesteigerter Gewaltbereitschaft führen und gehörten daher nicht ins Kinderzimmer.

Die Indizierungspraxis hält der Innenminister ebenfalls für unzureichend.

Kommentar

Die Äußerungen des Generals a.D. Schönbohm zeigen ein weiteres Mal, dass viele Politiker die Thematik nicht durchdringen. So gibt es ein ausgeklügeltes System der Altersbeschränkungen, in denn Spiele wie Unreal Tournament 2004, Doom 3 oder FarCry erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Somit ist der Einzelhandel verpflichtet, sich durch Ausweiskontrollen abzusichern, die so eingestuften Spiele nicht an minderjährige zu verkaufen. Bei Zuwiderhandlung drohen empfindliche Geldstrafen.

Wenn aber Eltern oder ältere Geschwister die Spiele kaufen und schenken oder sich die Kinder die Spiele über andere Wege (Tauschbörsen, Raubkopien) beschaffen, ist dafür die Spieleindustrie nicht haftbar zu machen. Es gehört zu den Elterlichen Aufsichtspflichten hier einzuschreiten.

Aufgrund dieser Überlegungen aber Spiele zu verbieten greift erstens nicht am eigentlichen Problempunkt an und ist auf der anderen Seite unzulässig, da alle Erwachsenen dadurch entmündigt werden.

Hinzu kommt, dass dann auch eine Diskussion über zur besten Sendezeit ausgestrahlte Filme im Fernsehn kommt, in denen zur Unterhaltung ähnliche Gewaltszenarien gezeigt werden wie in den Spielen. Hier scheint jedoch mit zweierlei Maß gemessen zu werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Herrn Schönbohm und Konsorten keinerlei Erfahrung mit Computerspielen, wohl aber mit dem Fernsehn haben.

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