Seit 26 Tagen ist nun das neue Betriebssystem Windows 8 auf dem Markt. Zeit, um sich anzuschauen, ob das Betriebssystem Potential zum Erfolg hat.

Windows 8: Die Situation auf der Straße

Windows 8 Plakat

Aus internen Microsoft-Quellen ist zu erfahren, dass die Verkaufszahlen von Windows 8 deutlich hinter den Erwartungen der Redmonder zurückbleiben. Merkwürdig, denn die Werbekampagne um Windows 8, Windows Phone 8 und das Surface ist die wohl teuerste Marketing-Aktivität von Microsoft. Überall in der Stadt sind Plakate für Windows 8 und Windows Phone 8 zu sehen, man kann quasi nicht daran vorbei schauen. Spätestens wenn man Abends den Fernseher anschaltet und einem die bunten Kacheln in der Werbepause begegnen.

Warum sehen die Verkaufszahlen trotzdem so schlecht aus? Das Problem muss substanzieller sein, als dass die Konsumenten nur noch nicht von Windows 8 gehört haben.

Windows 8: Die Situation im Elektromarkt

PCShow.de startete direkt nach dem auf einen Freitag fallenden Verkaufsstart von Windows 8 den Test. Wir gingen am Samstag zu einer großen Elektronikkette, bei der potentielle Kunden wohl nach Windows 8 suchen würden. Der trockene Schluss: Viel Hype und am Point-of-sale stand zwischen weiterer Software ein kleiner Aufsteller mit Windows 8 – kaum sichtbar, sodass wir erst einmal daran vorbei liefen.

Windows 8 Verpackung

Also starteten wir den Versuch bei der Hardware. Zwischen Tablets mit Android oder Net/-Notebook mit Windows 7 verirrten sich nur einige Geräte mit Windows 8. Konkret waren das zwei Tablets und zwei Notebooks. Es kann gut sein, dass irgendwo noch weitere versteckt waren, aber was zählt sind die Geräte, die der Kunde findet. Viel mehr Awareness fanden allerdings Geräte der Konkurrenz. Das neue iPad wurde sehr präsent im Hauptgang beworben und auch iMacs und Macbooks standen quasi fast im Hauptgang des Ladens. Man konnte diese nicht übersehen. Fest steht: Wer Windows 8 wollte, hatte schon auf der Suche nach den wenigen Geräten deutlichen Kontakt mit der Konkurrenz. Nicht einmal ein Surface, das Tablet von Microsoft, bewarb das neue Windows 8 im Laden. Das alles, obwohl Microsoft dafür doch extra auf Angriff mit den Hardware-Partner ging. Was ist da los?

Windows 8: Die Situation bei Microsoft

Dass auch Microsoft nicht glücklich mit der Situation sein kann, steht wohl außer Frage. Wer sich bei Microsoft umschaut, stellt schnell fest, dass die Hardwareausstattung der Microsoft-Mitarbeiter mit einem eigenen Surface oder aber auch einem Windows Phone 8 sehr mau ist und die Frustration daher umso höher. Das Problem der Nicht-Verfügbarkeit der Geräte scheint also nicht nur die Endkonsumenten zu treffen.

Microsoft ist derzeit stark verärgert, dass die Hardware-Partner das neue Windows 8 nicht stark genug pushen und viele Geräte noch nicht einmal auf dem Markt sind. Highend-Geräte lassen noch auf sich warten – und das im Weihnachtsquartal. Dazu kommt, dass die derzeitige Produktauswahl den Nutzer mehr verwirrt, als dass es ihm Freiraum gibt. Notebook, Netbook, Tablet, Convertible, Ultrabook oder doch Desktop? Desktop? Dann als All-in-one oder mit Workstation? Wer steigt da noch durch. Ein guter Verkauf zeichnet sich dadurch aus, dass man potentiellen Kunden die Angst nimmt einen Fehlkauf zu tätigen. Wer möchte schon hunderte Euros ausgeben, um dann festzustellen, dass das Gerät doch nicht perfekt für die Anwendungsszenarien gedacht ist, um sich dann vor Freunden und Kollegen zu rechtfertigen? Klare Anwendungsfälle fehlen hier einfach und das schlägt sich auch in den Verkaufszahlen nieder. Wer sich mit dem Thema etwas kritischer auseinandersetzt, der stellt sich die Frage: Sind das nicht alles nur Kompromisse? Warum arbeiten die Gerätehersteller nicht einfach an perfekten Lösungen? Und warum ist heute ein "Retina"-Display, also ein Bildschirm mit sehr hoher Auflösung, nicht schon Standard? Wie auch immer. Es ist aber auch nicht nur die Hardware…

Der Erfolg von Windows 7. Warum zu Windows 8 wechseln?

Wer erinnert sich nicht noch an die Zeit, als der Windows XP Nachfolger Windows Vista auf den Markt drängte. Die Presse war so schlecht und die Urteile der Fachzeitschriften ernüchternd, sodass heute selbst Microsoft über Windows Vista spottet. Aber dann kam Windows 7 und damit die Erlösung von Windows Vista. Die Kunden stürmten los und schafften sich Windows 7 an – ein echter Mehrwert war da. Die Performace und Akkulaufzeit ließ sich mit Windows 7 deutlich steigern und die Anforderungen an die Geräte waren bei weitem nicht so hoch, wie es Windows Vista damals vorgab. Mit Windows 7 ist heute jeder zufrieden und Unternehmen beginnen auch auf Windows 7 zu wechseln. Der Wechsel in den Betrieben ist aber weitestgehend von Windows XP direkt auf Windows 7 geplant.

Surface-Werbung am Times Square

Nun ist Windows 7 überall installiert und die Zufriedenheit ist groß. Warum sollte der Kunde nun losgehen und sich Windows 8 kaufen? Aufgrund der bunten Kacheln? Wohl eher nicht. Ein echter Mehrwert ist das nicht und rechtfertigt auch nicht das derzeit sehr preisgünstige Upgrade auf Windows 8 von rund 30 Euro. Hätte Microsoft das enorme Marketingbudget genutzt, um nicht nur Buzz zu erzeugen, sondern auch um den Mehrwert zu erklären, so sähe die Lage möglicherweise nun anders aus. Wer weiß schon, dass man seinen Windows 8 Computer mit einem Klick komplett auffrischen kann? Dabei bleiben alle Dateien und Programme erhalten, aber das System ist wieder flott, wie am ersten Tag. Auch der Wechsel von Windows 7 auf Windows 8 geht so einfach, dass alle Programme, Einstellungen und Dateien einfach unter Windows 8 noch da sind. Total einfach. Derartige Funktionen stellen einen tatsächlichen Mehrwert für den Endnutzer dar. Aber Microsoft versäumt es diese zu benennen. Keiner hat Kenntnis davon.

Fest steht wohl: Die Kunden halten die Metro bzw. Modern UI Oberfläche für ein nettes Gimmick. Diese wird allerdings beinahe ausschließlich beworben. Aber dafür Geld zahlen? Nö. Vor allem deswegen nicht, weil unter Windows 7 doch alles stabil und gut läuft.

Wie es weitergehen wird…

Microsoft wird nun gelernt haben, dass der Druck auf die Hardware-Partner Grenzen hat und ist damit gut gefahren, ein eigenes Tablet zu bauen und den Markt somit aufzurollen. Diese Entscheidung war tatsächlich eine der besten des Konzerns in letzter Zeit. Der Druck auf die Hardware-Partner ist hoch und man fragt sich: Warum sind die Partner nicht auf eine Tastatur in der Schutzhülle gekommen? Hätte Microsoft genug Erfahrungen in der Vertriebsstruktur und der Kalkulation der Nachfrage gehabt, hätte das Surface mit Windows RT und später das Surface Pro mit Windows 8 erfolgreich werden können. Derzeit ist der Verkauf nach Aussagen von Microsoft CEO Steve Ballmer eher mau. Microsoft wird nun also an dieser Struktur feilen müssen um künftig konkurrenzfähig zu werden.

Der Trend ist ganz klar. Microsoft wird auch sein eigenes Smartphone bauen müssen, um den Druck auf den Hardware-Markt zu erhöhen. Die derzeitige enge Zusammenarbeit mit Nokias Lumia Reihe wird nicht ausreichen. Ob Microsoft dieses eigene Smartphone exklusiv mit Nokia bauen lässt, steht dabei auf der Frageliste. Fest steht: Microsoft muss von dem Image weg, dass der Konzern nur Ideen kopiert und minderwertige, praktische Geräte als Plattform für sein Betriebssystem wählt. Das möchte der Kunde schon lange nicht mehr. Wer einmal ein iPhone oder Macbook in der Hand hatte, weiß, dass Plastik keine Alternative ist und der weiß auch, dass die Geräte die Bühne für die Software sind. Man kann also gespannt sein, wie Microsofts Strategie für die Zukunft sein wird…