Viele Jahre sind vergangen und damit die sicheren Jahre für den Software-Konzern aus Redmond. Als vor einiger Zeit noch Desktop-PCs ungeschlagen die Nummer eins waren, ist der Markt heute hybrider geworden. Morgens surft man mit dem Smartphone in der Bahn, Mittags sitzt man am Desktop-PC bei der Arbeit und abends lässt man sich vom Tablet berieseln. Doch Microsoft spielt eigentlich nur noch bei den Desktop-PCs und Laptops eine große Rolle. Android und Apples iOS sind schon lange Vorreiter bei Smartphones und Tablets. Da ist die Frage angebracht: Ist Microsoft in ein paar Jahren eigentlich noch relevant? Früher waren es die leistungsstarken Desktop-PCs und die etwas weniger schneller Laptops, die jeder im Haushalt besaß. Klar, womit sollte man auch sonst surfen oder seine Mails abrufen? Heute sieht die Welt anders aus: Für die alltäglichen Aufgaben reicht durchaus auch das Tablet als primäres Gerät aus oder sogar das Smartphone. Aufwendige, rechenintensive Aufgaben werden auch heute noch vorzugsweise am Desktop-PC erledigt, aber seien wir ehrlich, wer fährt schon seinen Computer hoch, um Mails zu checken oder zu schauen, was sich bei Facebook getan hat? Genau, diejenigen, die sich bisher kein Tablet oder Smartphone gekauft haben, weil es möglicherweise zu teuer war. Doch heute spaltet sich der Tablet-Markt in niedrig- bis hochpreisige Varianten auf. Warum also in einen weiteren Computer investieren, wenn ich auch bequem in ein Tablet investieren kann, das sicherlich 99% meine täglichen Aufgaben ebenfalls erledigen kann? Und da sind Geräte mit Apples iOS oder Android weit abgeschlagen die Spitze. Wer braucht dann schon noch Microsoft Windows?

Tablets kannibalisieren Desktop-PCs

Natürlich sind die Aussagen überspitzt und es gibt sicher noch Anwendungsfälle für einen Computer, insbesondere einen Laptop – beispielsweise zum Schreiben von langen Mails. Denn wer will das schon am Tablet tun? Dennoch, Microsoft muss sich die Aussage gefallen lassen, dass die Marktrelevanz von Windows deutlich verloren hat und noch verlieren wird. Zumindest dann, wenn Microsoft es nicht schafft, Windows 8/RT auf Tablets attraktiv zu gestalten bzw. einen echten Mehrwert mit Windows Phone 8 zu generieren. Microsofts Touch-Strategie mit Windows 8 zeigt, dass auch Microsoft den Umstand erkannt hat. Je länger Microsoft allerdings benötigt, seine Windows-Plattform im aktuellen Ökosystem wieder attraktiv zu gestalten, desto schwerer wird es für den Konzern. Das hat Microsoft bereits schmerzlich bei Windows Phone gespürt. Wenn eine Plattform nur wenig Akzeptanz beim Endkonsumenten hat, finden sich keine Entwickler, die Programme/Apps für das System entwickeln. Wenn es keine Apps gibt, ist die Plattform für den Endverbraucher nicht relevant. Ein Teufelskreis, aus dem man nur mit hohen Investitionen in Entwickler herauskommt – und nicht einmal das scheint wirklich gut zu funktionieren.

Android wird Betriebssystem-Markt in 2017 deutlich dominieren

Wenn es nach Gartner geht, sollen die Verkäufe von Android-Devices in 2017 drei mal so hoch sein, wie die von Microsoft. Auch an dieser Stelle ist mal wieder klar: Wir lieben Analysten dafür, dass sie immer sehr gewagte Hypothesen aufstellen. Dennoch muss man sich ehrlich fragen: Wird Microsoft mit der aktuellen Strategie seine Marktanteile wirklich dauerhaft verteidigen können?